Feuerreiter Kelsterbach lassen die Männer tanzen

Fast 300 Damen feiern im Fritz-Treutel-Haus Weiberfastnacht

Hoch die Beine: In die wilden Zwanziger des vergangenen Jahrhunderts entführte das Männerballett „Funkenspritzer“ aus Weiterstadt die verzückten Zuschauerinnen im Bürgersaal. (Foto: Koslowski)

Kelsterbach (rko). Was sind gemeinhin typische Merkmale einer Damensitzung? Die Frauen stehen mehr als sie sitzen, tanzen ausgelassen auf der Stelle und überbieten sich bei ihren enthusiastischen Rufen, wenn sie die strammen Waden und entblößten Oberkörper tanzender Männer sehen.

Nicht anders war die Atmosphäre am Donnerstag vergangene Woche bei der Weiberfastnacht der Feuerreiter Kelsterbach. Eine fantastische Stimmung verwandelte den Bürgersaal im Fritz-Treutel-Haus fast von der ersten Minute an in ein Tollhaus, als Dragqueen Savira Brown die Bühne betrat.
Sie war aus Flörsheim rüber auf die andere Mainseite gekommen und sprang in die Bresche, weil der eigentliche Act, Woody Feldmann, erkrankt absagen musste. Savira Brown war aber mehr als ein Ersatz und sorgte in ihrem glamourösen Outfit sowie flotten Sprüchen, Dialogen mit dem Publikum und einem Schlager-Medley für einen brodelnden Saal. Genau 282 Frauen hatten eine Karte für die zweite Weiberfastnacht der Feuerreiter ergattert. Damit kletterte die Verkaufskurve im Vergleich zum vergangenen Jahr um 50 Karten nach oben, was der ersten Vorsitzenden Katharina Plitt-Köhlhofer ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Den Nachteil hatten die Männer: Denn für sie blieben an der Abendkasse für die After-Show-Party nur noch wenige Karten übrig. Die muntere Damenschar, die vor der Party das abwechslungsreiche Programm bejubelte, war schon vor dem Start richtig gut drauf gewesen. Feen, Hippies, Panzerknacker, Kinder-Schoko-Bons, Katzen, Cowboys, Hexen, Nonnen, Barbies und Schmetterlinge mischten sich unter anderem unter das Publikum. 

Vier Männerballetts sorgen für prächtige Stimmung

„Keine Männer“, antwortete Sarah Johann auf die Frage nach dem Reiz der Weiberfastnacht grinsend. „Halber Preis und doppelt Spaß“, fügte eine närrische Besucherin lachend hinzu. Und das i-Tüpfelchen bei der 17 Frauen aus Raunheim und Kelsterbach umfassenden Gruppe: Sie werden von den Männern abgeholt. Auch die Schmetterlinge waren bereits vor dem Start gut drauf. „Die Männer werden durch den Kakao gezogen und mit Frauen ist es viel lustiger“, riefen Petra Leclair und Birgitt Striezel durch den Lärm. Sie waren bereits im vergangenen Jahr hier und fanden die Weiberfastnacht richtig toll. Für Verpflegung hatten die Feuerreiter ausreichend gesorgt. An der Sektbar – erstmals mit Hugo – sowie an der Jacky-Bar konnten die Frauen ihre ohnehin schon gute Laune noch mal steigern. Gegen den Hunger gab es belegte Brötchen. Übrigens: Die Vorsitzende engagierte sich eifrig hinter der Theke, die zweite Vorsitzende, Manuela Gischkat, kümmerte sich hinter den Kulissen um das Wohl der Tanzgruppen. Vier Männerballetts waren diesmal am Start: die „Funkenspritzer“ vom Karnevalverein Weiterstadt, das BMP-Männerballett des TSG Münster aus Kelkheim, das Männerballett des Mühlheimer Karneval Verein sowie die „Schlabbedabber“ aus Aufenau. Die Herren boten tolle Shows, bei der die Frauen vor der Bühne in Ekstase gerieten. 
Wie aus den 1920er Jahren eingeflogen, entführten die „Funkenspritzer“ die Damen in ihre Gangsterstadt. Die Namen der Tänzer durfte Moderatorin Nadja Schmitt nicht nennen, weil die Herren zu viele Liebesbriefe befürchteten. Als Entschädigung bekamen die Damen am Ende bis auf die Unterhose entkleidete Männer zu sehen, auf deren Hinterteilen in weißer Schrift der Name der Gruppe geschrieben stand. 
Das BMP-Männerballett reiste zehn Jahre weiter, nämlich in die 30er Jahre. Die Herren zogen zumindest ihre Westen aus, was die Frauen im Saal zu lautem Gejohle animierte. Einigermaßen brachial wurde es sowohl bei der Musik als auch bei der Kostümierung beim MKV-Männerballett, das als Sonnenkrieger um die Gunst der Frauen tanzte. Auch diese Männer schafften es bis zu den schwarzen Shorts. Den Tanzreigen rundete die TSG Flair aus Kelsterbach ab. Die Damen entführten die Zuschauerinnen mit einer flotten Choreografie und einem fröhlichen Tanz samt Popcorn-Thema in die Welt des Kinos. 

Gelungene Moderation von Nadja Schmitt

Ein Höhepunkt der Weiberfastnacht war die Moderation von Nadja Schmitt, in Kelsterbach auch als ehemaliges Giggelsmädchen bekannt. Mit viel Charme und Witz kündigte sie nicht nur die Nummern an, sondern baute auch eigene Beiträge in die Show ein. Bleibt tatsächlich noch der einzige, nicht tanzende Mann auf der Bühne: Stadtverordnetenvorsteher Frank Wiegand wagte sich im Clownskostüm vor die tobenden Frauen in die Bütt und wusste ihre Herzen als moderner Mann, der den Erwartungen der Frau entsprechen muss, zu erobern. Dabei sparte er auch nicht mit humorvollen Spitzen über seinen Arbeitgeber, die Deutsche Bahn.  Während die anschließende Party dann voll im Gange war, überraschte noch das Männerballett „Schlabbedabber“ auf der Bühne und riss die Frauen noch einmal richtig mit.

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