Jörg Astheimer wirbt in Kelsterbach für ausgewogenen Umgang mit Handys und Tablets

Grenzen für die Bildschirmzeit früh setzen

Mit den Drittklässlern der Karl-Treutel-Schule spricht Medienwissenschaftler Jörg Astheimer über Sicherheit im Internet und die Lieblingsapps der Kinder. Foto: Scherer

Kelsterbach – „Was würdet ihr Fremden online nie verraten oder zeigen?“, fragt Jörg Astheimer die Drittklässler. Auf einem Blatt Papier notieren die Mädchen und Jungen die Antworten. „Mein Gesicht, meinen Namen, das Alter, die Adresse und meine E-Mail“, hat ein Junge innerhalb kurzer Zeit aufgeschrieben und zeigt die Liste Astheimer. Der Medienwissenschaftler ist beeindruckt, denn das sind mit die wichtigsten Punkte für sicheres Spielen und Chatten im Internet.

TikTok-Videos schauen, Fortnite zocken und dabei mit anderen Spielern chatten, WhatsApp-Nachrichten beantworten und Serien auf Netflix gucken – dank der Corona-Pandemie und der fehlenden Möglichkeiten, sich mit Freunden zu treffen, hat der Konsum digitaler Medien bei Kindern noch einmal einen ordentlichen Schub bekommen. Und: Auch der Unterricht musste teils digital stattfinden, etwa über Lern-Apps.
Durch Corona hätten somit alle Kinder rangemusst an die digitale Beschulung, sagt Isabella Brauns. „Wichtig ist aber auch, dass bei der Nutzung der Medien die Grenzen und Gefahren erkannt werden“, findet die Leiterin der Karl-Treutel-Schule (KTS). Einmal im Jahr bekommt die Grundschule Unterstützung von Jörg Astheimer. In seinen Workshops sensibilisiert der Diplom-Soziologe bereits die Jüngsten für einen ausgewognen Umgang mit Tablet, Smartphone und PC. Man sei sehr froh über die Workshops, da Astheimer sich gut auskenne und die Kinder anders anspreche als etwa Lehrkräfte.
Jeweils zwei Doppelstunden widmete sich jede Klasse der KTS-Jahrgänge 3 und 4 dem richtigen Umgang mit dem Internet. Im November wird das Medienprojekt in der Bürgermeister-Hardt-Schule fortgesetzt. 
Seit sieben Jahren klärt Astheimer an den beiden Kelsterbacher Grundschulen über die Nutzung digitaler Medien und Endgeräte auf, finanziert werden die Projekte aus dem Bereich Gesundheitsvorsorge und Prävention von der Krankenkasse BKK VBU.
Denn: Eine ungebremste Nutzung von Handy, Tablet und PC kann auch krank machen. Stress, die Angst, etwas zu verpassen, betreffen bereits Grundschulkinder. Etwa drei Viertel der Viertklässler hätten WhatsApp auf dem Handy, so Astheimer. Hier sei es wichtig, dass Kinder einen klaren Kompass bekommen und verstehen, welche Regeln gelten. Also sich an die Chatiquette – richtige Umgangsformen – in Chatgruppen halten. Also keine offenen Streits austragen oder Leute ungefragt in Gruppen einladen. Das habe sich im Laufe der Jahre etwas verbessert, als WhatsApp noch relativ unbedenklich genutzt worden sei, sagte Astheimer.
„Positiv ist, dass viele Kinder einen Selbstschutz entwickelt haben, bei Fremden in Chats aufpassen und keine Sachen über sich preisgeben“, fasste der Medienwissenschaftler seine Einschätzung zusammen. Ein Problem bleibt jedoch die Bildschirmzeit, vor allem die Nachtnutzung. Die kann Folgen haben, von schlechtem Schlaf bis hin zu Burn-out. Etwa weil die Kinder sich oder die Freunde bei der Frage, wie schnell eine Nachricht zu beantworten ist, unter Druck setzten. 
Wie lange ein Kind vor dem Bildschirm verbringe, müsse schon in jungen Jahren geklärt sein. „Mit 14 kann man das nicht mehr begrenzen“, betonte Astheimer. Vorbild für eine verantwortungsvolle Nutzung digitaler Geräte sind und bleiben die Eltern. Astheimer plädiert für Familien-Medien-Regeln, die für alle gelten.
Eine zusätzliche Herausforderung kam mit dem Digitalunterricht und den Lernapps hinzu: Aus dem Spielgerät Smartphone oder Tablet, das im Lockdown stärker genutzt wurde, um Kontakt mit Freunden zu halten, wurde plötzlich ein Arbeitsgerät. Was ist Spiel-, was ist Arbeitszeit? Die Eltern seien mehr denn je gefordert gewesen, hier eine Trennung reinzubringen.
In den Klassen selbst spricht Astheimer mit den Kindern auch über ihre Lieblingsapps – hier stehen Spiele wie Fortnite, Minecraft oder die App-Spielesammlung Roblox hoch im Kurs. Gespielt wird online und gegen andere, inklusive Chat-Funktion. Dass häufiges Zocken auch süchtig und teils aggressiv machen kann, wüssten die Kinder, berichtete er.
Daher reflektiert Jörg Astheimer in den Klassen auch immer, welche anderen Dinge Kinder wichtig seien. „Die Kinder wollen auch medienfreie Zeiten mit den Eltern.“ Also gemeinsam draußen etwas unternehmen, Fußball spielen oder ins Schwimmbad gehen. „Die Kinder merken auch: Ist die Aufmerksamkeit der Eltern bei mir oder dem Handy.“
Am Ende jeder Stunde zeigen die Kinder dem Medienprofi ihre Lieblingsapps auf den Geräten und gemeinsam wird kontrolliert, ob die Profile auch sicher sind und keine privaten Daten preisgegebenen werden. 
Finanziert über Fördermittel aus dem Landesprogramm „Löwenstark – der BildungsKICK“ soll es bald auch Medienprojekte für die Jahrgangsstufe 2 geben, kündigte Isabella Brauns an. Von Nadine Scherer
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