Rechenzentren: Kelsterbach will bei vielen Punkten mitreden 

Bauauschuss diskutiert über Bebauungsplan für Europort / WIK hat Bedenken wegen Notstromaggregate

Hoch hinaus ragen die Schornsteine des Data Centre im Mörfelder Gewerbegebiet, bis zu 35 Meter sollen auch jene im Kelsterbacher Europort sein dürfen, wo derzeit die Vorbereitungen für den Bau des ersten Rechenzentrums laufen. (Foto: Scherer)

Kelsterbach (nad). Die Vorbereitungen für den Bau eines ersten Rechenzentrums auf dem früheren Gelände von DB-Schenker im Europort laufen bereits. Dies nimmt die Stadt zum Anlass, die weitere Gestaltung des knapp 10,9 Hektar großen Gebiets über einen Bebauungsplan zu regeln. In diesem sollen neben Gebäude- und Schornsteinhöhen auch Klimaschutz- und Umweltbelange sowie die Verträglichkeit mit der angrenzenden Wohnbebauung festgelegt werden.

Mitreden will die Stadt bei der Nutzung der Abwärme, der Gestaltung der Fassade der möglichen weiteren Rechenzentren und der Begrünung des Geländes, das unter anderem an die frühere RWE-Bahntrasse grenzt, die im Zuge des Förderprojekts „Klimainsel“ zu einem Grünzug umgestaltet werden soll, wie Bürgermeister Manfred Ockel am Montagabend im Bauausschuss aufzählte.
Ausgewiesen werden soll das gen Osten leicht verzweigte Areal als Sondergebiet mit einer gewerblichen Nutzung. Hier richte man sich nach den Leitlinien des Kreises Groß-Gerau zu Rechenzentren, führte Oliver Knebel, Geschäftsführer des mit der Aufstellung des Bebauungsplans beauftragten Büro Firu aus. Im Plan festgelegt wird zudem die Gebäudehöhe. Das Rechenzentrum im Kernbereich des Areals wird rund 23 Meter hoch, die erforderlichen Schornsteine zur Abgabe der Abwärme haben eine Höhe von bis zu 35 Metern. Wie Knebel betonte, werden die Gebäudehöhen im östlichen Teil zu den Wohngebäuden abgestuft und maximal 15 Meter betragen. Im westlichen Bereich wird eine Begrünung vorgeschlagen.
Im Bebauungsplan festgeschrieben werden auch Anlagen, die Betriebe zur Nutzung und Übergabe von Abwärme der Rechenzentren gewährleisten sollen. Sieben Fachgutachten, etwa zu Arten- und Naturschutz, schalltechnischer Untersuchung, Klima, Altlasten und Verkehr, müssen zudem vorliegen. Laufe alles nach Plan, könnte Anfang 2025 der Bebauungsplan zur öffentlichen Beteiligung offengelegt werden, so Knebel. Der Plan selbst könnte im zweiten Quartal 2025 von den Gremien beschlossen werden. 
Bereits genehmigt ist das im Bau befindliche Rechenzentrum im südlichen Teil. Bruno Zecha (WIK) verwies auf eine öffentliche Bekanntmachung an das RP, nach dem die A100RowGmbH als Bauherr 19 Notstromaggregate mit einer Gesamtfeuerungswärmeleistung von 141 Megawatt errichten und betreiben wird. Diese sollten bei einem Stromausfall das Rechenzentrum mit Elektrizität versorgen. Zecha gab zu bedenken, dass diese Aggregate mit Diesel betrieben würden, der schwarz-gelbe Rauch würde über die Schornsteine abgelassen. In Raunheim, wo im Airport Garden ein Rechenzentrum von Vantage Data Centers betrieben wird, häuften sich deswegen Anwohnerbeschwerden.
Zecha verwies auf eine Stellungnahme des BUND Hessen zu dem bereits genehmigten Rechenzentrum. Der BUND bemängelt, dass die Notstromdieselanlagen nicht mehr dem Stand der Technik entsprächen. Für Zecha sei dies nahe eines Wohngebiets nicht tragbar. Er hoffe, dass bei der Ausarbeitung des Bebauungsplans für den Rest des Gebiets klar werde, wie Rechenzentren in Kelsterbach entwickelt würden.
Tobias Bexten (WIK) stieß zudem der Teil in der BUND-Stellungnahme auf, dass die Notstromaggregate zur Abdeckung der Spitzenlast bei der Energieversorgung bis zu 300 Stunden jährlich in Betrieb sein könnten. Das sei für ihn keine Not und angesichts der Wohnbebauung bedenklich. 
Sebastian Mack vom städtischen Bauamt betonte, dass diese Stellungnahme der Stadt nicht vorliege, sie beziehe sich auf das bereits genehmigte Zentrum. Mit dem Bebauungsplanverfahren habe das nichts zu tun, hier sei man ganz am Anfang und stelle den Bebauungsplan erst auf, zu dem während der Beteiligung der Öffentlichkeit Stellungnahmen und Einwände eingereicht werden können. Mack betonte weiter, dass das gesamte Verfahren transparent für die Gremien gestaltet werde und alle Fachgutachten einfließen würden. „Die Planungshoheit obliegt den Stadtverordneten.“
Über die Aufstellung und den Vorentwurf des Bebauungsplans „Rechenzentrum Kornweg“ stimmen die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am kommenden Dienstag, 21. Mai, 19 Uhr, im Fritz-Treutel-Haus ab. 

Noch keine Bewertungen vorhanden


X