Rosensalbe, Pest und Wagenrennen

IGS-Schüler präsentieren die Ergebnisse ihrer Projektarbeit

DAS GEHEIMNIS DER BURG erklärte Jukka Matthes (rechts) den Besuchern. (Foto: Scherer)

Kelsterbach. Erschöpft liegt die Kranke auf dem Boden, in ihrem Gesicht sind die dunklen Spuren der Pest zu sehen. Über sie beugen sich Ärzte, die wie unheimliche Geister aussehen: Sie tragen schwarze Masken mit langen Nasen, die mit Kräutern gefüllt sind, um den Gestank zu überdecken und vor Ansteckung zu schützen. Die Baugé-Halle hat sich derweil in den Circus Maximus verwandelt. Dort liefern sich Gladiatoren gefährliche Wagenrennen und kämpfen um die Gunst des Publikums.

Pest, Hexenverbrennung, Ritterburgen und die Römer – eine Woche lang hatten sich die Schülerinnen und Schüler der 6. und 7. Klassen der Integrierten Ganztagsschule (IGS) mit den Themen Römer und Mittelalter beschäftigt. Am Präsentationstag, zu dem viele Eltern kamen, stellten die Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.
Blickfang der Ausstellung zum Thema Mittelalter war ein riesiges Burgmodell mit Zugbrücke, Torhaus, Kapelle und Bergfried, das zwölf Schüler nach dem Vorbild der Ronneburg gebaut hatten, die die Schüler besucht hatten. „Wir haben viele Stunden an der Burg gebaut und viele Schüler sind sogar länger geblieben, damit wir sie fertig bekommen“, sagte der 13-jährige Jukka Matthes.
Wie das Leben in einer Burg war und wo sie vorzugsweise gebaut wurden, lasen die Kinder nach. „Auf Stroh zu schlafen hat wahrscheinlich sehr gepiekt, aber als Adeliger ließ es sich in einer Burg bestimmt gut leben“, fand Jukka Matthes.
In der Druckwerkstatt hatten sich die Kinder mit Gutenbergs Erfindung beschäftigt und auf Linoleumplatten selbst entworfene Wappen und verzierte Buchstaben angefertigt, die dann auf Papier gedruckt wurden. „Es hat schon Spaß gemacht, aber es gab auch einige Verletzungen – vor allem bei den Mädchen“, sagte Luke Khattar. Früher habe man jeden einzelnen Buchstaben als Druckplatte legen müssen, heute tippe man einfach alles in den Computer ein, so der Zwölfjährige.
Hustensaft aus Kräutern und Honig, duftende Lavendelsäckchen und Rosensalben hatten die Schüler angefertigt, die sich mit der Heilkunst beschäftigten. „Rosensalbe hat man sich bei Kopfschmerzen auf die Schläfe geschmiert. Das ist vielleicht auch für unsere Lehrer gut, die kommen ja öfter mal mit Kopfschmerzen aus dem Klassenraum“, scherzte die zwölfjährige Liz Oesterle.
Mit den Römern hatte sich derweil der Jahrgang 6 beschäftigt. Im Stufensaal präsentierten die Schüler zwei Theaterstücke über die traditionelle Kleidung der Römer und die Sage von Romulus und Remus. In der Baugé-Halle stellten die Kinder selbst angefertigte Mosaik-Kunstwerke und Tongefäße aus. Einen aus Turngeräten gebauten Parcours galt es auf Rollbrettern zu überwinden. Als Höhepunkt lieferten sich die Schüler ein Wagenrennen durch die Halle.
Die Projektarbeit ist laut Lehrerin Ilona Rübsamen ein wichtiges Element der Schularbeit, da hier die Schüler zu selbstständigem Arbeiten hingeführt würden. Der Unterricht finde nicht streng nach Stundenplan statt, stattdessen wählten die Kinder die Projekte nach Interesse aus.
Außerdem lernten die Schüler, sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema zu beschäftigen. Die typische Lehrerrolle werde ausgehebelt, denn die Lehrkräfte unterstützten die Schüler vor allem dabei, sich die Informationen selbst zu beschaffen, erklärte die Stufenleiterin. „Wir fördern von Anfang an die Präsentationsfähigkeit, da das mittlerweile in vielen Berufen und bei Einstellungstests vorausgesetzt wird.“
Mit den Themen soziales Lernen und Erwachsenwerden beschäftigten sich die 5. Klassen. Es wurden Regeln im alltäglichen Umgang miteinander diskutiert. Die 10. Klassen stellten den Besuchern die Stadt Berlin mit ihren Sehenswürdigkeiten vor. Denn dorthin brachen die Schüler am Montag zur Studienfahrt auf.
Für die 9. Klassen war der Präsentationstag die Generalprobe für die zentralen hessischen Abschlussprüfungen. So konnten die Mädchen und Jungen ihre Projektarbeiten noch einmal vor einem Publikum testen, bevor dann zwei Tage später die Prüfungskommission entschied.
Die Schüler des 8. Jahrgangs hatten Präsentationen zum Thema USA ausgearbeitet und vorgestellt. Dies diente zur Vorbereitung auf die Prüfungen im kommenden Jahr. (nad)

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