Schau im Stadtmuseum Kelsterbach beleuchtet Magie und Aberglaube

Schwerpunkt Mittelalter: Über Talismane und eingemauerte Katzen

Eindrucksvolle Exponate: Am Eröffnungstag der Ausstellung schauen einige Interessierte im Stadtmuseum vorbei. Noch bis Ende des Jahres kann sie bei freiem Eintritt besucht werden. (Foto: Grünheid)

 

Kelsterbach (ud). Die Menschen brauchen Kultur und Geselligkeit. Genau das ist eine der Lehren, die aus der grassierenden Corona-Epidemie gezogen werden kann. Ein Beleg dafür ist jetzt die Ausstellung „Magie und Aberglaube“ im Stadtmuseum Kelsterbach. 

Auf eine offizielle Eröffnung haben die Verantwortlichen bewusst verzichtet; stattdessen schloss Karl Schmiedt, Sprecher der Museumsgruppe des Volksbildungswerks Kelsterbach, die Museumstür am Sonntagnachmittag einfach auf, und es dauerte nur wenige Minuten, bis sich die ersten Besucher einstellten.
Allerdings gelten auch für den Besuch des Stadtmuseums die unerlässlichen Corona-Regeln: Es besteht Maskenpflicht, und nur vier Besucher zugleich dürfen sich in den Museumsräumen aufhalten, sodass, nachdem das erste Kontingent an interessierten Bürgern eingelassen worden war, weitere vor dem Museum ausharren mussten, um in den Genuss der Ausstellung über Magie und Aberglauben im Mittelalter zu gelangen.
Rasch wird beim Lesen der Schautafeln und Betrachten der Exponate in den Vitrinen klar, wie brandaktuell diese Ausstellung ist, geht es doch um eine Zeit, in der Hygiene so gut wie keine Rolle spielte, in der sich Seuchen wie die Pest rasant ausbreiteten und ganze Landstriche nahezu komplett entvölkerten, in der die Grenze zwischen Heilkunde und Scharlatanerie fließend war. In diese Zeit hätte auch der Vorschlag eines US-Präsidenten gepasst, der seinen Bürgern riet, zur Bekämpfung des Corona-Virus’ Desinfektionsmittel zu trinken oder sich sogar spritzen zu lassen.
Doch die Bezüge der Ausstellung zur Gegenwart sind noch wesentlich weitreichender: Strömungen wie Esoterik, Satanismus, Astrologie und Wahrsagerei beruhen auf der Welt des mittelalterlichen Aberglaubens, ebenso der Glaube an die wundersame Kraft von Edelsteinen, Amuletten und Talismanen. Und die Walnuss wurde wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Gehirn als Nahrung fürs Gehirn verspeist –  ein sogenannter Analogiezauber, im Mittelalter weit verbreitet.

Kuratiert hat die Schau die Kunsthistorikerin Alice Selinger 

Der Besucher der Ausstellung erhält eine Vielzahl von Informationen über mittelalterliche Bräuche und Praktiken, welche die Kunsthistorikerin Alice Selinger aus Dreieich zusammengetragen hat. Dabei wird deutlich, wie sehr religiöse Vorstellungen mit heidnischem Gedankengut verbunden sind, dass im Mittelalter Religion, Wissenschaft und Magie Hand in Hand gingen, dass neben dem Glauben an Gott auch der an Dämonen und Drachen allgegenwärtig war.
Eine große Rolle spielte dabei auch das Kapitel Hexen im Mittelalter – Frauen, die vielfach sadistischer Verfolgung ausgesetzt waren. Höhepunkte waren ohne Zweifel der „Hexenhammer“ aus dem Jahr 1487, in dem Frauen als von Natur aus schlecht beschrieben werden, und die Auswüchse der spanischen Inquisition im 15. Jahrhundert. Bis in die heutige Zeit erhalten hat sich der Aberglaube über Katzen, die damals als ideale Begleiter von Hexen angesehen wurden. Allerdings wurden Katzen im Mittelalter auch positive Kräfte nachgesagt: Sie wurden lebendig in Gebäude eingemauert – als Schutz gegen böse Mächte.
All dies gehört zur Sozialgeschichte des Mittelalters, die beispielsweise von Norbert Elias in dem Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ ausführlich geschildert wird. Die Ausstellung selbst enthält viel Wissenswertes, etwa über Nekromantie (Totenkult) und Alchemie, bei der es in erster Linie um die Herstellung von Gold ging und die schließlich in der Suche nach dem „Stein der Weisen“ gipfelte. Aber auch der „ganz normale“ Aberglaube findet sich wieder, etwa die magische Kraft von Hasenpfoten und Knoblauch, der nicht nur gegen Vampire helfen soll, sondern auch gegen den bösen Blick.

Ausstellung regt zum Nachdenken an

Auf jeden Fall löste die Ausstellung auch unter den Besuchern eine ernsthafte bis heitere Diskussion über die Sinnhaftigkeit des Aberglaubens aus. Schnell waren sie sich einig, dass beispielsweise eine Leiter, unter der niemand durchgehen sollte, keine Bedeutung hat, ebenso wenig der Spiegel, der, wenn er zerbricht, sieben Jahre Pech nach sich ziehen soll. Allerdings bereite eine Katze, die den Weg kreuze, schon Unbehagen. Und einer der Besucher betonte, dass er schon an einen Zusammenhang der Kräfte zwischen Erde, Mond und Sonne glaube.
Somit erweist sich diese Ausstellung nicht nur als informativ, sondern regt auch zum Nachdenken über heutige Befindlichkeiten an. Darüber hinaus bewirkt sie, dass der Blick auf die Vergangenheit die Neugierde weckt, zu ergründen, wie sich der Mensch aus dem „finsteren Mittelalter“ bis in die Neuzeit entwickelte, die geprägt ist von vielfältigen Einflüssen aus der Antike, weit mehr noch von der Begegnung mit dem Islam und dem Judentum, beispielsweise während der Kreuzzüge.
Die Ausstellung ist bis Jahresende jeweils sonntags, 15 bis 17 Uhr, bei freiem Eintritt im Stadtmuseum, Marktstraße 11, geöffnet. Weitere Führungstermine können mit Hartmut Blaum, Vorsitzender des Volksbildungswerks Kelsterbach, unter Telefon 0170 71 40 96 4 oder mit Karl Schmiedt unter  29 58 vereinbart werden.

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