Erinnerung an den Candy Bomber

Ausstellung im Rathaus befasst sich mit der Berliner Luftbrücke

ERINNERUNG an eine unvergleichliche Hilfsaktion: Seit Freitag ist im Rathaus Walldorf eine Ausstellung über die Berliner Luftbrücke zu sehen, die von dem Historiker John Provan (rechts) zusammengestellt wurde. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf. Zum Auftakt der städtischen Reihe „Begegnungen mit den USA“ ging es um ein zentrales Ereignis für das deutsch-amerikanische Verhältnis nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Berliner Luftbrücke. Während der Zeit der Berlinblockade durch die Sowjets versorgten US-Flugzeuge rund 2,2 Millionen Menschen im Westteil der Stadt mit Lebensmitteln. Alle zwei Minuten landeten die Maschinen in Berlin und brachten Getreide, Trockenmilch und auch Schokolade.
 

Die Ausstellung im Walldorfer Rathaus zeigt neben Farbaufnahmen aus den Jahren 1948/49 auch historische Gegenstände wie Uniformen, Transportsäcke und Flugzeuginstrumente. Auf ergänzenden Schautafeln wird außerdem die Geschichte der Hilfsaktion nacherzählt. Organisiert wurde die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Verein „Luftbrücke Frankfurt-Berlin 1948 bis 1949“.
„Die Luftbrücke war eine große Wende in den Beziehungen zwischen Deutschland und der USA“, erklärte John Provan, Historiker und stellvertretender Vereinsvorsitzender. Nach dem Krieg habe es noch große Unsicherheiten auf beiden Seiten gegeben, die sich durch die Hilfsaktion aber legten.
Um die Luftbrücke zu dokumentieren schrieb Provan vor 20 Jahren mehr als 1600 Briefe an Beteiligte und fragte nach Erinnerungsstücken, Dokumenten und Bildern. Besonders interessiert war er an Dias. „Denn auch damals war die Welt schon bunt, nur entwickelte keiner Farbbilder“. Die zahlreichen Farbdias, die ihn in den nächsten Jahren erreichten, ließ er ausdrucken. Eine Auswahl dieser Aufnahmen ist in Walldorf zu sehen und zeigt etwa die Rhein-Main Air Base am Frankfurter Flughafen.
Silberglänzende C-54 Skymaster und C-74 Globmaster sind darauf zu sehen, die gerade abheben oder noch gewartet werden. Air Base und Flughafen wirken auf den Fotos noch klein und geradezu provinziell. Holzbaracken und Zelte kann man neben den Transportmaschinen entdecken, andere Bilder zeigen einen Blick über die Dächer Berlins oder den Kontrollturm am Flughafen Tegel.
„Das war damals die größte humanitäre Hilfsaktion per Luft“, erklärte Bürgermeister Heinz-Peter Becker zur Eröffnung. Er erinnerte weiter daran, dass die kurz nach der Einführung der D-Mark ausgerufene Blockade der Sowjets dafür sorgte, dass Millionen von Gütern über den Luftweg nach West-Berlin gelangen mussten.
„Die Rhein-Main Air Base war eine tragende Säule der Aktion“, ergänzte Hans Majer vom Verein „Luftbrücke“. Wie am Fließband seien die Flugzeuge abgefertigt worden, und so seien aus Kriegsgegnern schließlich Freunde geworden.
 Dazu beigetragen habe auch der so genannte Candy Bomber. Der Pilot Gail Halvorsen bastelte kleine Fallschirme, bestückte sie mit Schokolade und warf sie über Berlin aus seinem Flugzeug. Am Boden warteten stets schon Kinder auf die süßen Fallschirme, erzählte Majer. Andere Pilote nahmen sich an Halvorsen ein Beispiel, und so gab es bald viele Candy-Bomber. (seb)

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