Merfeller Kerb in letzter Minute abgesagt - aber ein paar Rituale bleiben

Ein Virus thront auf dem Kerwebaum

Trotz der abgeblasenen Kerb halten die Kerweborsch an einer Tradition fest: Am Samstag wird ein Baum gestellt – nur wenige verfolgen das sonst so populäre Spektakel. (Foto: Friedrich)

 

Mörfelden-Walldorf (ula). Traditionen wollen gelebt werden, auch in schwierigen Zeiten. So haben die Merfeller Kerweborsch trotz Absage ihrer Kerb noch einiges Kreatives auf die Beine gestellt. „Kerweborsch soin lust’sche Brüder“ – doch diesmal sind die Mienen ernst. Die Covid-19-Infektionszahlen sind im Landkreis Groß-Gerau auf einem neuem Rekordhoch und haben kurz vorm Fest für die Absage der Merfeller Kerb gesorgt.

Am Samstag wurde trotzdem der Kerwebaum geholt

Doch an dem ein oder anderen Ritual festzuhalten – das gelingt trotz der wieder strengeren Auflagen und Verhaltensregeln, die Landrat Thomas Will zur Eindämmung der Pandemie erlassen hatte. „Wir haben in kleiner Runde privat gefeiert“, berichtet Kerwevadder Lukas Plewa – und als Schlag null Uhr der traditionelle Einmarsch der Kerweborsch fällig gewesen wäre, da marschiert Plewa mit seinen Mannen tatsächlich eine Runde. Ganz privat durch den Garten.
Auch das ließen sie sich nicht nehmen: Am Samstag früh wird der Kerwebaum aus dem Wald geholt. Kurz vor 14 Uhr zieht ein Traktor die 17 Meter lange Fichte über die Westendstraße Richtung Dalles – nicht, wie üblich, angefeuert von Menschenmassen, sondern flankiert vom Fahrzeug des städtischen Ordnungsamts. Auf dem Platz vor dem Rathaus stärken sich Passanten mit Süßem und Deftigem aus zwei Imbisswagen, welche die Festwirte Patrick und Dennis Hausmann dort seit einigen Tagen betreiben. Auch dort überschatten die Coronaregeln alles: Mit Sperrgittern geht’s schrittweise bis zum Würstchengrill – erste Station ist ein Waschbecken mit Seife und Desinfektionsmittel.

Gespenstige Ruhe

Der Kerwebaum hat den Dalles erreicht: Die Ruhe ist fast gespenstig, das Baumstellen eine Geheimmission. Sämtliche Akteure tragen Alltagsmasken. Ein paar Passanten nehmen Anteil, als mit gemeinsamem Hauruck die Fichte in die Senkrechte gewuchtet wird.
Hier und da gibt’s ein paar Klatscher – dort, wo sonst Menschenmengen das Baumstellen bejubeln. Das Fehlen einer Kerwebobb erklärt sich ohne viele Worte auf dennoch anschauliche Weise: Ein Riesenvirus thront in luftiger Höhe auf dem Stuhl am Baum – Corona hat alles im Griff.
Muntere Kerwelieder wollen keinem über die Lippen kommen, zum Abschluss der Mission bleibt nur ein fahler Beigeschmack. Die Kerb is do! Doch feiern geht nicht. „Ich bin Gründungsmitglied des Vereins und hab dem Haufen hier mit kurzer Unterbrechung vorgestanden“ – Uli Sensche, fast 25 Jahre Vereinschef, blickt in die Runde, „jetzt das – das tut weh!“

Die letzten Tage vor dem Fest, das für drei Tage in der Hofreite des Goldenen Apfels geplant war, hatten die Veranstalter in ein Wechselbad der Gefühle gestürzt. Denis Leistner, Vorsitzender des Vereins Merfeller Kerweborsch: „Anfang der Woche wäre die Feier vertretbar gewesen.“ Noch am Mittwoch lautete die Devise: wir feiern! Und war am Donnerstag schon Geschichte. Das Herz der Kerweborsch schlug für das Fest, die Vernunft riet dazu, abzusagen.

"Schnappt euch e Bier – und bleibt Zuhaus"

„Man schaut stündlich aufs Handy: Gibt es was Neues?“, kommentiert Lukas Plewa die Zitterpartie. Dass er schließlich doch auf die Leiter steigt, um seine Redd’ zu verlesen, das läuft dann auch absolut coronakonform. Ohne Zuschauer, im Hof des Goldenen Apfels: Neun Mann sind es, die sich um den Vadder scharen, der in Protokollermanier berichtet, was sich im Örtchen zugetragen, und auch sonst wo auf der Welt. Mit viel Technik wird die Kerweredd per Livestream gesendet. Fans des Heimatfests können es so am Computer miterleben.
Auf dem Dalles und rundherum ist die Ordnungspolizei im Dauereinsatz. Trotz des Wochenendpensums sind die Beamten zufrieden. „Schon der Freitag war recht ruhig“, berichtet Ordnungspolizist Thorsten Richter. „Es waren nur kleinere Menschengruppen unterwegs, die ordentlich ihre Masken trugen. Auch in der Linde, der Stammkneipe der Borsch, hatten wir einen vorbildlichen Eindruck.“ Ein dickes Lob seitens des Ordnungshüters ergeht an die Gastronomie, die seit Einführung der Sperrstunde pünktlich um 23 Uhr abriegeln muss. Richter: „Nach 20 Minuten kannten die Gastronomen die neueste Verordnung.“ Im Goldenen Apfel wird die Leiter wieder zusammengeklappt. Plewa und sein Trupp haben ein Stückchen Tradition hochleben lassen. Und sind tapfer, dass diesmal wegen Corona doch alles anders ist. Plewas Botschaft hat Vorbildcharakter: „Ihr liewe Leut, die Redd’ is’ aus. Schnappt euch e Bier – und bleibt Zuhaus.“

Foto-Galerie von der Kerwered und Baumstellen

 

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