Walldorfer Gospelchor feiert Jubiläumskonzert mit 400 Besuchern in der Christkönigskirche

Ein gelungenes Comeback

Jubelnde Stimmen, lebendige Musik in der vollen Christkönigskirche. Foto: Koslowski

Mörfelden-Walldorf – Schon der Einmarsch des Gospelchors hatte es in sich. Das 35 Köpfe zählende Ensemble hatte sich in der Christkönigskirche auf die Zugänge zum Altar verteilt, einige Sänger hielten Teelichter in ihrer Hand und stimmten das Lied „Hallelujah, Salvation and Glory“ an, liefen singend und bedächtig zur Bühne hinter dem Altar. 

Ein beeindruckender Auftakt für das Jubiläumskonzert mit dem Titel „25 + 1“. Die Eins deshalb als Zusatz, weil der Walldorfer Gospelchor eigentlich im vergangenen Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern durfte. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich der Chor nach der Coronapause aber noch nicht in der Lage, ein Jubiläumskonzert vor Publikum zu geben. 
Am Sonntag war es nun soweit, die Gospelsänger traten in schwarz-roter Kleidung erstmals seit 2019 wieder auf die große Bühne. Ihr Publikum hatte es kaum erwarten können: 400 Menschen, somit ausverkauft, wollten den Chor hören, ein beeindruckendes Bild im Kirchensaal. 
Mit „Clap your hands and sing Hallelujah“ setzte der Gospelchor sein rund zweistündiges Programm fort – und fing sein Auditorium gleich ein. Es folgte der Aufforderung und klatschte eifrig mit. Im bunten Reigen von Gospel, moderner und traditioneller Musik ging es weiter: „Only by grace“, „In your arms“, „Hallelujah“ (Cohen), „African Alleluia“, „Fill me with your spirit Lord“, „Siyahamba“ und „All night, all day“ sind nur einige Lieder, mit denen der Chor sein Publikum begeisterte.
Begleitet wurden das Ensemble von Mark Schwarzmayr (Klavier), Harold Nardelli (Bass) und Tobias Nessel (Schlagzeug), für den Ton war Bernd Hörner, für das Licht Rüdiger Coutandin verantwortlich. 
Geleitet wird der Gospelchor, der unter dem Dach von Rot-Weiß Walldorf beheimatet ist, seit anderthalb Jahren von Verena Marlene Bachmann, die somit auch den Neubeginn nach der langen Coronapause einläutete. „Wir hatten das Glück Verena zu finden“, hatte der Vorsitzende Bernd Russow vor dem Konzert im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Denn mit der Pandemie erlebte der Gospelchor durchaus einen Einschnitt. 
Einige aktive Mitglieder hatten den Chor während und nach der Pandemie den Rücken gekehrt – darunter befand sich auch Chorleiter Peter Koch. Sie hätten andere Interessen gefunden, erzählte Russow. Dem Chor hatten sich indessen auch neue Mitglieder angeschlossen. Jüngere Menschen würden gleichwohl nach wie vor fehlen, schränkte der Vorsitzende ein.
„Verena hat uns gezeigt, was Chorsingen bedeutet“, lobte er den Einstieg und die Arbeit der neuen Chorleiterin Bachmann. Dass der Chor nicht schon im vergangenen Jahr sein Jubiläum mit seinem Publikum begehen wollte, habe durchaus etwas mit dem eigenen Anspruch zu tun, den der Chor noch nicht habe erfüllen können. 
Bachmann ist staatlich anerkannte Musikpädagogin und Sängerin für Jazz und Populärmusik, ist zertifizierte Chorleiterin, erfahrene Gesangslehrerin und Stimmbildnerin für Chöre und Solisten. Es sei ihr erster Chor, den sie langfristig betreue, sagte Bachmann, die Lehrerin für Musik an einem Gymnasium ist. 
Mit dem Chor kam sie über ein Chormitglied in Kontakt, deren Tochter mit ihr selbst das Abitur gemacht hatte. Sie hatte ganz einfach Lust, die Gruppe zu übernehmen, erzählte sie lachend. Dass ihr die Leitung tatsächlich Freude bereitet, war ihr während des Konzertes anzusehen.
Vor 26 Jahren wurde der Chor also gegründet. Und zwar sollte aus der evangelischen Kirchengemeinde heraus ein Jugendchor mit Konfirmanden gebildet werden. Mangels interessierter Kinder schlossen sich dann Eltern zusammen. 
Anfangs, weiß Russow zu berichten, sangen sie christliche Kirchenmusik, dann Pop. Der Gospelmusik habe sich der Chor zugewendet, weil er nicht die klassische Kirchenmusik intonieren wollte, aber dennoch die Nähe zur Kirche bewahren wollte, so Russow. „Gospel ist religiös motiviert, aber hat einen anderen Stil als Kirchenmusik“, sagte er. 
Birgit Süle ist neben Heike Ertel eines von noch zwei Gründungsmitgliedern. Sie habe die Chorgründung damals als interessant empfunden. Sie erinnerte sich, dass die Mitglieder kaum eine musikalische Vorbildung mitgebracht hätten. Sie hätten sich aber schnell als Gruppe zusammengefunden. Süle beschrieb die Einstellung des Gospelchors: Ein Neuling habe nie vorsingen müssen, sondern sei einfach integriert worden, man habe sich wohlfühlen sollen. 
Für Schriftführerin Beate Kuschmierz entsteht beim Singen von Gospel ein besonderes Gefühl. Den Chor beschrieb sie als eine Gemeinschaft von netten Menschen. „Wenn wir singen, fühlen wir Freude“, sagte sie. Gospelmusik sei unglaublich lebendig, beschrieb Bachmann den Charakter. Man habe die Möglichkeit der Improvisation, der Beweglichkeit.
Nach der langen Pause hatten die Chormitglieder freilich Lampenfieber. Das gehöre aber zu einem Auftritt dazu, sagte Russow. Gemeindereferentin Isabell Bienias milderte die Aufregung. Es sei schön, dass der Chor wieder auflebe, kündigte sie das Konzert an. Der Auftritt sei mehr als ein Konzert, denn mit seinem Gesang lobe der Chor Gott. 
Dem Gospelchor gelang es, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Eine ausgelassene Stimmung, bei der das Publikum mitklatschte und mitsang, war Beweis genug, dass der Chor wieder in der Spur ist. Mit den zwei Zugaben „African Call“ und „Joyful“ ließ der Chor einen tollen Abend ausklingen. 

Von Rüdiger Koslowski

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